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Unterwegs mit Rügens Robben-Rangern

 

 

Im Greifswalder Bodden hat sich ein Trupp Kegelrobben angesiedelt

-- Von Ralph Sommer--

29. April 2008

Gager (OZ). Im kleinen Fischereihafen von Gager herrscht Hochbetrieb. Mit vollen Heringsnetzen sind die Stellnetzfischer am Morgen vom Fang aus dem Greifswalder Bodden zurückgekehrt. Nun warten am Kai schon die Lieferwagen auf den Frischfisch. Alles muss jetzt schnell gehen, um die butterweichen Heringe auf Eis zu bringen.

Gelassener geht es einen Bootssteg weiter zu. Von der Hektik der Heringssaison unbeeindruckt bereiten sich Manfred Klatt und Horst Hinz auf ihren Törn vor. Die beiden Männer gehören zu den insgesamt 16 Rangern, die im Biosphärenreservat Südost-Rügen unterwegs sind und auch Interessierte in die Geheimnisse der einzigartigen Naturlandschaft einweihen. Heute haben sie mich zu einer Kontrollfahrt eingeladen. Wir wollen Kegelrobben aufspüren, die in den vergangenen Monaten mehrfach vor Rügens Küste gesichtet sein sollen.

Das kleine Boot der Reservatsverwaltung ist schnell klar gemacht. Noch ein letzter Motor-Check, dann steuert Manfred Klatt das 50 PS starke Gefährt aus dem Hafen in die Fahrrinne. Die Sonne scheint, die Sicht ist optimal, so gut wie kein Wind - eigentlich gute Voraussetzungen für ein Rendezvous mit den possierlichen kleinen Meeressäugern. Aber die Männer dämpfen meine Erwartungen. Eine wildlebende Robbe in heimischen Gewässern zu beobachten sei immer noch ein seltener Glücksfall, sagt Klatt.

Mit fast zehn Knoten pflügen wir durch den Rügischen Bodden, vorbei an der Steilküste von Mönchgut - Kurs Greifswalder Bodden. Aus seinem Gepäck kramt Horst Hinz einen kleinen Feldstecher heraus und sucht damit das Ufer ab. Er kennt die beliebten Ruheplätze der Tiere ganz genau. Allein im Revier des Reservates soll es vier Stellen geben, an denen sich ein kleiner Trupp Kegelrobben regelmäßig aufhält. Welche Orte das sind, das behalten die Ranger lieber für sich. Die Tiere sollen auch künftig in Ruhe gelassen werden. Heerscharen neugieriger Sportbootfahrer würden sie nur stören und vertreiben. Nur soviel verraten die beiden: Nach ihrer Rückkehr haben die Robben die Lieblingsstellen ihrer Ahnen wieder eingenommen. Es sind die alten Seehundsteine vor Rügens Küste, auf denen sich schon vor über 100 Jahren die hier inzwischen ausgerotteten Robben aalten.

Eine solche Stelle irgendwo im Greifswalder Bodden steuert jetzt auch unser Boot an. An Stellnetzen vorbei manövrieren wir ins offene Gewässer, kreuzen das Fahrwasser der Berufsschifffahrt und halten Ausschau. Doch auf der glatten See zeigt sich kein Lebenszeichen.

Dann nähern wir uns einer Untiefe. Hinz hat wieder zum Glas gegriffen. Schon aus mehreren Hundert Metern Entfernung hat der erfahrene Ranger den schwarzen Fleck ausgemacht. „Mann, wir haben Glück“, sagt er. Mit gedrosselter Fahrt nähern wir uns einer Gruppe von Steinen, die jetzt bei Flachwasser freiliegen. Wir lassen uns treiben, dann wird auch für das bloße Auge sichtbar, dass sich auf dem Fels ein ausgewachsener Robbenbulle in der Sonne rekelt.

Mit großen Glubschaugen nimmt uns das Tier in Augenschein. Wir haben Glück. Plötzlich tauchen um die Steingruppe herum weitere schwarzglänzende Köpfe auf. Neugierig umkreisen die Roben unser Boot. Jetzt sind auch meine Begleiter begeistert. Insgesamt acht Tiere zählen wir. Solche Sichtungen seien ungewöhnlich, freut sich Klatt. Eine Weile noch genießen wir das Naturschauspiel, dann überlassen wir den Robben das Feld und steuern zum nächsten Revier.

Seit zwei Jahren sind Rügens Ranger im Robbenmonitoring im Einsatz und unterstützen damit die Bestandsuntersuchungen des Meeresmuseums Stralsund, des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie sowie des Bundesamtes für Naturschutz auf der Insel Vilm. Allein im vergangenen Jahr sichteten sie die Tiere bei 31 Kontrollfahrten 22 Mal. Im Winter wurden sogar schon einmal 15 Robben auf ein Mal beobachtet. Und vor knapp einem Jahr tummelte sich sogar ein Seehund am Göhrender Südstrand und auf Vilm.

Hinweise darauf, dass sich die Robben hier auch vermehrten, gebe es jedoch bislang keine, sagt Stefan Woidig vom Biosphärenreservat: „Wir gehen davon aus, dass die Tiere aus der östlichen Ostsee stammten und vor allem in der fischreichen Saison hierher wechseln.“ Doch die Chancen, dass sich die Robben rund um Rügen wieder ansiedeln, standen noch nie so gut.

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Infokasten

Die Robben in der Ostsee

Rügen (OZ). Jagd und zunehmende Meeresverunreinigungen haben die Robbenbestände in der Ostsee bis an die Grenze der Ausrottung gebracht. Inzwischen erholen sich die Bestände aber wieder etwas.

Besonders die Ringelrobben (Phoca hispida) leiden unter dem menschlichen Einfluss. Lebten vor über 100 Jahren schätzungsweise noch fast 300 000 Exemplare in der Ostsee, so sind es heute nur noch etwa 5000. Da diese Robbenart ihre Jungen in Schneehöhlen aufzieht, sind die skandinavischen Küsten ihre bevorzugten Lebensräume.

Von der auch in der südlichen Ostsee beheimateten Kegelrobbe (Halichoerus grypus) gab es einst etwa 100 000 Tiere. Der damalige Bestand im Greifswalder Bodden wird auf 100 Robben geschätzt. Im Jahr 2000 lebten höchstens noch 10 000 Kegelrobben in der Ostsee. Inzwischen sollen es wieder rund 20 000 Tiere sein.

Auch der Seehund (Phoca vitulina) zählt zu den in der Ostsee heimischen Arten. Mit schätzungsweise nur noch 250 Tieren von einst etwa 10 000 ist er jedoch heute noch immer ein höchst selten anzutreffender Gast.

Noch seltener ist nur die Bartrobbe (Erignathus barbatus), die eigentlich in den arktischen Regionen des Atlantiks zu Hause ist. Nur einmal, im September 1991, war eine Bartrobbe in einer Reuse bei Lobber Ort vor Rügen in der Ostsee entdeckt worden.

(Quelle: Meeresmuseum Stralsund) ++

 

Was tun, wenn man am Strand eine Robbe findet?

Rügen (OZ). Halten Sie Abstand. Die Tiere dürfen nicht berührt werden. Hunde müssen unbedingt angeleint werden. Verzichten Sie auf Fotos aus der Nähe.

Robben gehören zu den besonders geschützten Tierarten in Deutschland. Störungen an ihren Liege- und Wurfplätzen sind deshalb nach dem Naturschutzgesetz unzulässig, und Zuwiderhandlungen werden als Ordnungswidrigkeit geahndet.

Informieren Sie das Amt für das Biosphärenreservat Südost-Rügen (Tel. 038303-8850), das Deutsche Meeresmuseum Stralsund (Tel. 03831-2650210) oder das Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern (Tel. 03843-777211) über den Fund. Machen Sie dabei möglichst genaue Angaben zu Ort, Datum, Uhrzeit, Anzahl der Tiere und - wenn möglich - auch zur Art, zum geschätzten Alter und Geschlecht der Tiere.

Die Ranger des Biosphärenreservats Südost-Rügen, Horst Hinz und Manfred Klatt (rechts) auf Patrouille. Regelmäßig sind sie im Rahmen des Robben-Monitorings im Einsatz, um die Bestände der Meeressäuger vor Rügen zu kontrollieren. (Foto: Sommer)



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