Kliff geklebt fürs Ozeaneum
Samstag, 27. November 2007
Im Ozeaneum wird ein Steilküstenstück von Wreechen zu sehen sein. Für das Lackprofil ist kiloweise Kleber notwendig.
Wreechen. Umweltskandal? Hat da etwa einer Altöl über die steile Küste gleich neben dem Wreechener Strand im Biosphärenreservat Südost-Rügen gegossen? Martin Kroniger ist kein Umweltpolizist und winkt ab: „Was so schmierig schillert, ist kein Öl, sondern ein Spezialkleber.“ Er hat ihn aufgetragen. Seine Aufgabe: Ein Stück Kliffkante im Original von Wreechen nach Stralsund zu bringen. Zu Spaten und Schaufel greifen, das knapp drei Meter hohe Kliff einfach von oben nach unten abstechen – könnte jeder. „Das Ergebnis würde allenfalls für den Buddeleimer reichen.“ Eine Mixtur aus Lehm, Geschiebemergel und Schmelzwassersande soll aber nicht im Ozeaneum gezeigt werden, „sondern ein aktives Kliff, so wie es die letzte Eiszeit geschaffen hat.“ Dr. Dorit Liebers-Helbig und ihre Kollegen im Meeresmuseum sind zwar Experten im Präparieren von Tieren. „Diese Aufgabe haben wir aber einem Spezialisten überlassen.“ Martin Kroniger erledigt sie jeden Tag. „Seit 20 Jahren nehme ich Abdrücke von markanten Landschaftsausschnitten.“ Der Geologe aus Rehburg-Loccum bei Hannover hat sich auf paläontologische Präparation spezialisiert. Der Auftrag für das Lackprofil – so werden die Abdrücke im Fachjargon genannt – führt den 38-Jährigen das erste Mal auf die Insel. „Der Spezialkleber aus Kunststoffharz zieht drei bis fünf Millimeter ein und bindet die Sandschichten. Sogar Steine und Wurzeln bleiben dran kleben.“ Auf den Kleber werden noch zwei Glasfaser-Schichten aufgebracht. Dann wird die etwa 2 Meter mal 1,40 Meter große Kunststoffplatte vom Kliff abgenommen. „Da kann ich sogar die Brechstange nehmen, so fest ist alles.“ „Das aktive Kliff von Wreechen wird der markante Landschaftsausschnitt der südlichen Ostsee sein, den die Besucher im Ozeaneum bestaunen können“, kündigt Dr. Dorit Liebers-Helbig die Eröffnung für „voraussichtlich Juni 2008“ an. Rundreise durch die Ostsee sei das Thema in der neuen Attraktion der Hansestadt. „Dafür werden auch noch Lackprofile vom Kalksteinkliff auf Öland und von Westschwedens Schärenküste angefertigt.“ Näher liegt der nächste Auftrag, den Martin Kroniger bereits erhalten hat. Ab ins Wasser. Für ein Diorama, das Robben auf Plattfisch-Jagd zeigt, soll er einen Abdruck vom sandigen Meeresboden nehmen vor Hiddensee oder dem Darß.
UDO BURWITZ
