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Elegante Jäger der Nacht

 

18. April 2009

Putbus möchte »Fledermausfreundliche Stadt« werden

Putbus/vpb/rs. Mit der Einstellung des Menschen zur Fledermaus stand es in der Vergangenheit nicht immer zum Besten. Von einem »jahrhundertelangen Bewusstseinskrieg – Mensch gegen Tier« spricht Joachim Kleinke, Vorsitzender des Naturschutzbundes (NABU), Kreisverband Rügen. Blutsverwandtschaft mit dem Teufel sagte ihnen der Römer Davis Basilius nach. Im Barock ist die Fledermaus eines der Attribute des Antichrist. Und der spanische Maler Francisco de Goya verwendete Fledermäuse neben Eulen als Symbol des Bedrohlichen. »Auch heute - 400 Jahre nach der Aufklärung - ist es noch immer nicht leicht, aufklärerisch tätig zu sein«, weiß Joachim Kleinke. Dennoch - verloren haben Fledermäuse viel von ihrem einstigen Bedrohungspotential, auch wenn die Chancen eher gering sind, dass sie in Konkurrenz zu den Kranichen als Boten des Glücks treten. Doch in ragen ihrer Akzeptanz haben die Insektenjäger der Nacht heutzutage doch so einiges erreicht in unseren Breiten. Fortsetzung Seite 14. Jäger der Nacht Putbus möchte »Fledermausfreundliche Stadt« werden Fortsetzung von Seite 1. Erwartet die einst so angefeindeten eleganten Flieger doch mittlerweile an so manchen privaten und öffentlichen Gebäuden ein freundlicher Empfang – kostenlose Quartiere inklusive. So auch in der Stadt Putbus. Landwirtschaftliche Nutzungen, die Fällung alter Bäume, der Abriss alter Gemäuer und Scheunen – diese Bedingungen moderner Zeiten nahmen Fledermäusen zunehmend Nahrung und Lebensraum, bedrohten ihren Bestand und so wurden sie unter gesetzlichen Schutz gestellt. Eines Tages, es war im Jahr 2008, fiel dem Putbusser Bürgermeister Harald Burwitz eine Ausgabe des »Ostholsteiner Anzeigers« vom 24. April 2008 in die Hände. »Eutin ist Deutschlands erste fledermausfreundliche Stadt«, so war ein Artikel überschrieben. Mit dieser Auszeichnung gab Eutin das Signal für die Partnerstadt Putbus. »Wir folgen diesem Beispiel und wollen erste fledermausfreundliche Stadt in Mecklenburg-Vorpommern werden«, nennt Harald Burwitz das Ziel. Am 7. April gab es den offiziellen Auftakt für dieses von der Stadt Putbus gemeinsam mit dem NABU Kreisverband Rügen und dem Biosphärenreservat Südost-Rügen verfolgte Projekt. Sandra Müller vom NABU Kreisverband Rostock überreichte Harald Burwitz die Plakette »Fledermausfreundliches Haus«, welche jetzt das Rathaus der Stadt schmückt. Ein großer Kasten direkt am Rathaus, zwei kleinere an der Wand des ehemaligen Feuerwehrgebäudes und noch zwei weitere finden hier nun ihren Platz. Innerhalb der nächsten 1½ Jahre möchte Putbus den Titel »Erste fledermausfreundliche Stadt in Mecklenburg-Vorpommern « erringen. Reichlich Vorarbeit wurde bereits geleistet. In den Neubau der Grundschule sind zahlreiche Fledermausquartiere in die Fassade und unter das Dach integriert. In sechs Gruppen bauten Schüler aus der 4. Klasse der Grundschule Putbus mit Axel Knoblich, Ranger im Biosphärenreservat Südost-Rügen, 15 Sommer- und Winterquartiere für Fledermäuse. Ihren Platz haben sie im Schlosspark und am Rathaus gefunden. Zahlreich sind die Naturliebhaber, welche sich im August die »Putbusser Fledermausnacht « nicht entgehen lassen. Und neben Schule und Rathaus gibt es bereits weitere Gebäude in Putbus und seinen Ortsteilen, die sich mit dem Titel »Fledermausfreundliches Haus« schmücken können. »Ein bedeutendes Winterquartier für 100 Tiere in sechs bis sieben Arten befindet sich im ehemaligen Weinkeller unter dem Netto Markt«, nennt Dr. Ralf Grunewald ein Beispiel. Mit Ehefrau Heike, die Landschaftsökologin und in diesem Projekt für den NABU Kreisverband Rügen tätig ist, ist der Naturwissenschaftler ehrenamtlich in Putbus in Sachen »Fledermausfreundliche Stadt« unterwegs. »Viele Fragen sind noch offen – Wie viele Fledermäuse sind es? Um welche Arten handelt es sich? Wo sind sie zu finden? Da gibt es Defizite«. Dass an Gebäuden in Putbus auch einmal so viele Edelstahlplaketten wie in der Partnerstadt Eutin in der Sonne glänzen, das wünschen sich Stadt, NABU Rügen und das Amt für das Biosphärenreservat Südost-Rügen. Fanden die Säuger in Eutin doch bereits mit dem 24. April 2008 an 85 Privathäusern und öffentlichen Gebäuden einen Unterschlupf. Einwohner und Unternehmer, die ein Quartier bereitstellen wollen, können sich unter Telefon 038301/885 194 oder 03838/20 97 10 informieren bzw. unter fledermaus-putbus @gmx.de Finanziell wird das Projekt durch die Projektpartner und die Norddeutsche Stiftung für Umwelt und Natur gefördert.

Rainer Schalle

 



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