Deutsche Website English Website Français Website Kontakt


Diplomarbeit: "Die Insel wird kleiner"

Die Küstenlinie im Biosphärenreservat verändert stetig ihr Aussehen. Um 34 Zentimeter jährlich geht die Küste zurück.

4. November 2008

Bäderküste Im Biosphärenreservat Südost-Rügen ist es nicht anders als im ganzen Land Mecklenburg-Vorpommern. Das verfügt über 354 Kilometer Außenküste. 249 Kilometer davon gehen dauerhaft zurück. Für das Biosphärenreservat ergeben sich im Vergleich ähnliche Werte. 47,2 Kilometer Steilküste – ob zur Ostsee oder zum Bodden – sind zu zwei Dritteln vom Rückgang betroffen. Sagt Nicole Hänig. Die ehemalige Studentin der Bergakademie Freiberg hat sich in ihrer Diplomarbeit mit dem Thema „Küstendynamik im Biosphärenreservat Südost-Rügen – Abrasionsverhalten und Vegetationsdynamik der Steilufer“ auseinandergesetzt und ist zu einem Ergebnis gekommen, das sie in einem Satz zusammenfasst: „Die Insel wird kleiner.“ Für den Küstenrückgang hat Nicole Hänig auch einen allgemein geltenden Wert parat. Es sind etwa 34 Zentimeter jährlich. Dabei sorgen verschiedene Auslöser für eine sich stetig verändernde Küstenlinie. Beispielsweise der Wind. „Kommt der aus Nord, Nord-Ost oder Ost ist vor allem die Außenküste davon betroffen, dass der Wind die Brandung gegen das Ufer treibt. Kommt der Wind dagegen aus Süd, Süd-West oder West ist die Boddenküste von den Auswirkungen betroffen“, sagt Hänig.

Sie macht aber deutlich, dass der Mensch seinen Teil zum Küstenrückgang beiträgt: „Wenn in den Steilküsten geklettert wird, ist das kein Kavaliersdelikt mehr. Jedes Sandkorn, das dadurch in die Tiefe rauscht, ist eines zu viel.“ Zudem habe sie auch Abschnitte entdeckt, wo die Steilküste dauerhaft im Kontakt mit dem Wasser steht. Zeichen dafür seien die Algen, die sich inzwischen an der Küste gebildet hätten.

Aktive Kliffs zu schützen hält Hilmar Schnick für unmöglich und auch unsinnig. „Wenn man die beispielsweise die Selliner Steilküste schützen würde, dann hätte Baabe bald keinen Strand mehr“, macht der Geologe und Mitarbeiter des Amtes für das Biosphärenreservat Südost Rügen deutlich.

Die auf die Küste treffenden Wellen lösen Material aus dem Meeresboden und dem Uferbereich. Längs und quer zum Ufer verlaufende Strömungen transportieren die Bodenpartikel fort. Während es die feinen und leichten Bestandteile, wie Ton und Schluff, weit ins Meer hinausträgt, werden die Sande und Kiese wegen ihres höheren Korngewichtes in Ufernähe transportiert. Die Badenden bekannten Sandbänke sind solche Transportbänder.

CHRIS-MARCO HEROLD



Impressum | Kontakt