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Weltenbummlerin im Reservat

 

Die estnische Praktikantin Kadri Tamm hat im Biosphärenreservat Südost-Rügen in den vergangenen Monaten 150 Gäste befragt.

19. Juni 2008

Blieschow Die Datenmenge ist gewaltig. Mehr als 150 Auskünfte zu jeweils neun Fragen. Das alles muss jetzt ausgewertet werden und ist der Grundstein für ein so genanntes Besuchermonitoring. Anderswo wird dies längst praktiziert. Im Biosphärenreservat Südost-Rügen dagegen wird dabei Neuland betreten. Auf dem ist seit Februar des Jahres eine Praktikantin unterwegs: Kadri Tamm aus Estland.

Vor 25 Jahren wurde sie in Tallinn geboren, hat das Studium der Geografie abgeschlossen und schließlich für ein Jahr Asien auf eigene Faust unter ihre Füße genommen. „Nach dem Studium wollte ich einen Teil der Welt sehen, mich selbst einordnen können, Toleranz üben, mich mit anderen vergleichen können“, sagt sie über Beweggründe für die Wanderzeit. Die führte sie durch Kambodscha, Laos, Vietnam, Indien – auf des Schusters Rappen. Zurück in Estland arbeitete sie schließlich für eine estnische Tageszeitung als Redakteurin. „Über verschiedene Umweltthemen habe sie geschrieben.“ Seit fünf Monaten ist Rügen ihre Heimat auf Zeit. Ein Stipendium der Deutschen Bundesstiftung Umwelt macht es möglich für ein halbes Jahr. Rügen hat sich Kadri Tamm nicht ausgesucht, ist aber glücklich, dass die Stiftung sie auf Deutschlands größte Insel gelotst hat. „Die Landschaft ist hier sehr abwechslungsreich, der Frühling ist hier am schönsten. Wir leben zwar auch an der Ostsee, die wir Westsee nennen, aber bei uns ist alles eher flach.“ Wenn sie den Touristen hier Löcher in den Bauch fragt, dann will sie vor allem wissen, was diese am Biosphärenreservat interessiert, welche Bedeutung das Biosphärenreservat für das Reiseziel hatte, ob sie die Ver- und Gebote im Gebiet kennen, ob sie sich im dem gut gelenkt und geleitet wissen, was verbessert werden muss . . .

Die Befragungen hat Kadri Tamm, zu deren Familie neben Mutter und Vater noch drei Geschwister gehören, inzwischen abgeschlossen. Viele, viele Antworten erhalten und ganz nebenbei viele, viele Menschen kennengelernt und Vergleiche zu ihrem Zuhause ziehen können. „Wir sagen auch Kurort und Bürste, essen Sauerkraut, Schweinefleisch und Kartoffeln, singen aber viel mehr.“ So ist es üblich, dass an Sängerfesten bis zu 100 000 Sangesfreudige des 1,4 Millionen Volkes teilnehmen. Kadri Tamm ist eine von ihnen; sie geht ihrer Leidenschaft auch während des Praktikums auf Rügen nach und singt im Volkschor Sellin mit. Ihre anderen Leidenschaften sind das Wandern, das Fotografieren, die Natur.

Der will sie sich nach ihrem Praktikum weiter widmen, die zu ihrem Arbeitsfeld machen. „Aber Estland ist so klein, da ist es schwierig, eine solche Arbeit zu finden“, sagt sie und ergänzt ganz weltenbummlerisch: „Wenn man was will, kann man was erreichen.“ Auch Asien wollte sie auf eigene Faust entdecken und hat es entdeckt.

CHRIS-MARCO HEROLD

 

 

Kadri Tamm bei der Befragung einer Urlauberin

Foto: CMH

 

 



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