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Präparierte Küstenlandschaft

Sonntag, 25.11.2007

Abzug eines Lackfilmprofils für das Ozeaneum von einem Kliff bei Wreechen

Wreechen/vpb/rs. Wenn Wanderer Martin Kroniger bei seiner Tätigkeit überraschen, dann sprechen sie den freiberuflichen geologisch-paläontologischen Präparator nicht selten an. "Was treiben Sie da?" Diese Frage hätten Spaziergänger auch am 22. November am Kliff unweit von Wreechen stellen können. Und Martin Kroniger würde antworten: "Ich erstelle ein Lackfilmprofil vom Kliff für das Deutsche Meeresmuseum. 30 bis 40 Kilogramm Kunstharze trage ich mit dem Pinsel auf die Fläche in einer Größe von vier Quadratmeter auf und verfestige so das Sediment aus Lehm, Geschiebemergel und Schmelzwassersanden bis in eine Tiefe von drei bis fünf Millimeter. Für die Stabilität des Lackfilmprofils bringe ich noch eine Glasfaserschicht auf. Die Temperaturen müssen dabei stimmen. Mindestens fünf Grad Celsius sind nötig." 24 bis 36 Stunden waren vergangen, als Martin Kroniger am Nachmittag des 24. November das durchgehärtete, zirka 80 Kilogramm schwere Profil vom Kliff mit Hilfe einer Brechstange als zusammenhängende Tafel abzog.Den Auftrag erhielt der 38-jährige Präparator durch das Deutsche Meeresmuseum in Stralsund. Denn das Ozeaneum öffnet ab Juni 2008 seine Türen. Dorit Liebers-Helbig ist als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Meeresmuseum verantwortlich für die Ostseeausstellung im Ozeaneum: "Auf einer Fläche von 450 m² werden die Küsten des Ostseeraumes in fünf Dreiecksvitrinen mit einer Kantenlänge von 6,50 Meter ausführlich in ihrer biologischen und geologischen Vielfalt dargestellt. Wir wollen dem Besucher zum Beispiel verdeutlichen, dass wir hier auf den Spuren der Eiszeit wandeln". Hinzu kommen Fotos der Landschaften, aus denen die Profile entnommen wurden, die Vorstellung des Präparatoren und die Beschreibung von verwendeten Techniken und Materialien. "Jeder Museumsbesucher sieht unsere Arbeit, aber keiner weiß, wer die Ausstellungsstücke anfertigte und wie sie entstanden", ergänzt Martin Kroniger. Das soll sich im Ozeaneum ändern. In einer dieser Vitrinen wird auch das Lackfilmprofil vom Kliff bei Wreechen seinen Platz finden, bestückt mit Tieren und Pflanzen, Strandsand und Wasser, das in Kunstharzform aufgeklebt wird. Leicht ist es dem STAUN in Stralsund und dem Biosphärenreservat Südostrügen gefallen, die Ausnahmegenehmigung für den Eingriff in die Küstenlandschaft bei Wreechen zu erteilen. "Das entspricht unserem Umweltbildungsauftrag", gibt Stefan Woidig, Mitarbeiter im Biosphärenreservat, zu verstehen.Zunächst lautete die Überlegung, das Lackfilmprofil am Kliff bei Klein Zicker zu erstellen. "Dort finden wir ein reines Kliff, aber an dieser Stelle überwintert eine seltene Wespenart. Deshalb entschieden wir uns für Wreechen", gibt Dorit Liebers-Helbig zu verstehen.

Rainer Schalle

Viel Fingerspitzengefühl benötigte Martin Kroniger, als er den Spezialkleber auf den Kliffabschnitt aufbrachte. Foto: Rainer Schalle



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