Erweiterung des Biosphärenreservates erfährt Zustimmung und Ablehnung
4. Februar 2009
Neddesitz (gü). Soll vor der angedachten Erweiterung des Biosphärenreservats Südost-Rügen eine grundsätzlichen Überarbeitung der so genannten Biosphärenreservatsverordnung erfolgen? Wenn es nach Rügens Tourismuschef Thomas Wuitschik geht – JA! Dieser appellierte am Donnerstag der letzten Woche vor über 200 anwesenden Gästen, diese Chance zu nutzen und mit der neuen Verordnung auch ein Signal abzugeben, dass sich wirtschaftliche Entwicklung und Umweltschutz nicht ausschließen. Er erinnerte daran, dass bei sämtlichen Umfragen, die unter Gästen durchgeführt werden, immer das Thema Natur als TOP 1 für einen Aufenthalt genannt wird. Seit dem die durch das Amt für das Biosphärenreservat Südost- Rügen abgedachten Pläne zur Erweiterung der Reservatsfläche im August letzten Jahres öffentlich geworden sind (diese Zeitung berichtete exklusiv), schlagen die Wogen der Befürworter und Kritiker immer höher. Aus diesem Grund luden der Gewerbeverein Sassnitz, der Wirtschaftsverein Rügen, der Bauernverband Rügen, der Kreisjagdverband Rügen sowie der Wirtschaftsrat der CDU Sektion Rügen zu einer Podiumsdiskussion in das Steigenberger Resort Hotel Rügen ein. Die Beteiligung mit über 200 interessierten politischen Verantwortungsträgern, Landwirten und Jägern, Bürgern und Unternehmern sprengte seit langer Zeit wieder einmal den Rahmen einer solchen Veranstaltung. Auffällig an diesem Abend: Befürworter der Erweiterung waren kaum vorhanden – überließen den Kritikern den Platz. Dass die Stimmung im Saal eher gegen eine Erweiterung der Biosphäre gerichtet war, bewiesen die Zwischenrufe, wenn sich Vertreter des zuständigen Amtes zu Wort meldeten. Sabine Schlender, nach wie vor kommissarische Leiterin des Amtes, betonte in ihren Ausführungen, dass „man gemeinsam mit den betreffenden Kommunen eine Lösung finden will“. Sie räumte während der Diskussion offen ein, dass das einst geforderte Rahmenkonzept zur Entwicklung der Biosphäre „nach wie vor nicht vorhanden ist“. Nach dem Wechsel der Leitung des Amtes wolle man „es jetzt besser machen“.
Berühmter Ball liegt auf Seite des Biosphärenreservats
Unter der Moderation des Journalisten Karsten Klehn tauschten Vertreter des Amtes für das Biosphärenreservat auf der einen Seite sowie Kritiker wie Bauern, Jäger und Kommunalpolitiker auf der anderen Seite fast drei Stunden ihre Positionen aus. Sellins Bürgermeister Reinhard Liedtke (SWG) nahm den Vorschlag zur Erarbeitung einer neuen Verordnung auf und betonte, wenn denn mit dieser neuen Verordnung sich im jetzigen Biosphärenreservatsgebiet Südost-Rügen einiges zum Besseren wendet, kommen die anderen Kommunen vielleicht von selbst. Angedacht ist, dass die Flächen des Landschaftspflegeverbandes Rügen, die einst durch den Landschaftspflegeverband Ostrügen renaturiert wurden, in die jetzige Biosphäre aufgenommen werden. Hintergrund ist dabei die Tatsache, dass die so genannte Kernfläche (Schutzzone I) des Amtes zu klein ist, wie Sabine Schlender unterstrich. Die Erweiterung soll allerdings „nicht gegen die Interessen der betreffenden Kommunen erfolgen“, so die Leiterin des Amtes. „Wir setzen auf ein Miteinander und wollen die aufgezeigten Defizite aus der Evaluierung abbauen“, zeigte sie ihre Möglichkeiten einer neuen Qualität der Zusammenarbeit zwischen Gemeinden und Amt auf. Dabei verwies sie darauf, dass eine erneute Evaluierung im Jahr 2013 vorgesehen ist. Der formale Akt, die betreffenden Flächen in die Biosphäre auszunehmen dauert ein bis zwei Jahre. In dieser Zeit soll auch das dringend geforderte Rahmenkonzept erarbeitet sein. Zur Erarbeitung einer neuen Verordnung lud sie ausdrücklich alle interessierten Gruppen und Interessenvertreter ein. Die bisherigen Probleme bei der Kommunikation sollen abgestellt werden, so Schlender. Vertreter des Bauernverbandes, des Kreisjagdverbandes und des Kreisangelverbandes signalisierten noch am Abend der Veranstaltung Interesse, an den Gesprächen teilzunehmen. Karsten Klehn stellte als Fazit der Veranstaltung fest, dass der berühmte Ball nunmehr auf der Seite des Amtes liege und wie versprochen an die anderen Seiten zurückgespielt werden müsse. Zwischenzeitlich hatte sich die Stadtvertretung Putbus dafür ausgesprochen, mit ihren restlichen Flächen, die noch nicht in der Biosphäre sind, diesem Amtsgebiet beizutreten, wie es am Abend hieß.
Robby Günther
