Biosphärenreservat will wachsen
![]()
Das Biosphärenreservat Südost-Rügen ist nach den Kriterien der UNESCO zu klein. Damit der Status nicht in Gefahr gerät, soll die Fläche jetzt ausgedehnt werden.
20. Oktober 2008
Rügen Das Gebiet des Biosphärenreservats Südost-Rügen soll erweitert werden. So der Plan des Amtes. Grund: Die Fläche ist mit ihren derzeit 20 000 Hektar eigentlich zu klein. Das hat die UNESCO, die den Titel verleiht, bei ihrer letzten Evaluierung vor drei Jahren moniert. Laut Vorgabe muss ein Biosphärenreservat mindestens 30 000 Hektar groß sein. Damit der Status nicht dauerhaft in Gefahr ist, muss das Reservat wachsen. Derzeit umfasst das Gebiet Mönchgut-Granitz, einen kleinen Zipfel der Gemeinde Zirkow, den größten Teil der Gemeinde Putbus und die Insel Vilm. Nach Plänen des Biosphärenreservats sollen künftig auch Binz, ganz Zirkow und Putbus, Garz, die Halbinsel Zudar sowie Jasmund zum Biosphärenreservat gehören (siehe Grafik). „Es ist nicht so, dass die Gemeinden mit fliegenden Fahnen beitreten wollen“, sagt Lars Fischer, Büro für Landschaftskommunikation mit Sitz in Eberswalde. Schließlich gab es in den vergangenen Jahren zahlreiche Konflikte zwischen den Mitgliedsgemeinden und dem Biosphärenreservat. Die Bedenken gehen vor allem dahin, dass sich das Biosphärenreservat künftig in Bauvorhaben einmischt beziehungsweise diese verhindert. Die Ängste sieht Lars Fischer als unbegründet an. „Die konkreten Ziele, die im Gebiet des Biosphärenreservats festgeschrieben werden, sollen zwar das Handeln leiten, sie sind jedoch nicht rechtsverbindlich.“ Das Büro für Landschaftskommunikation hat unter der Leitung von Lars Fischer vom Amt für das Biosphärenreservat den Auftrag bekommen, die Diskussion um die Erweiterung des Reservats in eine breite Öffentlichkeit zu tragen. Er hat Gesprächsrunden in allen Gemeinden organisiert, die von der geplanten Erweiterung betroffen sein könnten. Heute beginnt die erste Veranstaltung in Garz. Sein Ziel ist es, mit den Betroffenen ihre Bedenken zu diskutieren und vor allem auch positive Entwicklungschancen aufzeigen. „Ziel eines Reservats ist es, dort neue Wege nachhaltigen Wirtschaftens zu entwickeln“, formuliert Fischer ganz allgemein und sieht für die Gemeinden konkrete Vorteile im Tourismus. „Der Status Biosphärenreservat ist ein Aushängeschild, mit dem geworben werden kann.“ Er stellt sich vor, in den Regionen den Ökolandbau zu verstärken, die Erzeugnisse in den hiesigen Hotels und Geschäften zu vertreiben und somit kommunale Stoffströme zu schließen. Eine weitere Vision ist es, aus Abfällen Energie zu gewinnen. Dabei denkt Fischer auch an das Algenproblem, das auf Rügen weiter zunehmen wird. „Es wäre toll, wenn ein Weg gefunden wird, die Algen energetisch zu verwerten“, so Fischer, der die Insel in Sachen Energie vom globalen Energiemarkt unabhängig machen möchte. „Das sind alles nur Ideen. Wie sich Rügen im Biosphärenreservat entwickeln könnte oder soll, wollen wir gemeinsam mit den Bürgern diskutieren.“ Fischer verweist auch darauf, dass es nicht um eine Entscheidung in den kommenden Wochen und Monaten geht, sondern dass sich der Prozess über zwei bis drei Jahre hinziehen wird. Zu den Diskussionsrunden in dieser Woche sind alle Bürger herzlich eingeladen. Diskussionsveranstaltungen:
heute 17 Uhr, Garz, Aula des Freizeitzentrums am Burgwall 11 morgen 17 Uhr, Putbus, Aula des IT College am Circus 16 Mittwoch 17 Uhr, Binz, Haus des Gastes in der Heinrich-Heine-Straße 7 Donnerstag 17 Uhr, Sassnitz im Ratssaal der Stadt in der Hauptstraße 33
Biosphärenreservat
Biosphärenreservate sind Kulturlandschaften mit herausragender Naturausstattung, in denen ein harmonisches Verhältnis zwischen dem wirtschaftenden Menschen und dem Schutz der natürlichen Ressourcen modellhaft entwickelt wird. In Deutschland gibt es 14 Biosphärenreservate, weltweit sind es 53. Das Biosphärenreservat Südost-Rügen wurde 1990 gegründet und 1991 durch die UNESCO anerkannt. Mindestens drei Prozent eines Reservats müssen als Kernzone unter starkem Schutz stehen. Hierzu gehören:
Die Insel Vilm einschließlich 100 Meter Küstenstreifen. Ausgenommen sind Siedlungsfläche, Hafen und Hafenzufahrt.
Die Küstenrandzone der Granitz, landeinwärts begrenzt 100 Meter von der oberen Kliffkante und seewärts 100 Meter.
Schwarzer See im Naturschutzgebiet Granitz unter Einschluss der vermoorten Randbereiche und eines 100 Meter breiten umgebenden Waldstreifens.
Kesselmoor Große Wiese im Naturschutzgebiet Granitz unter Einschluss eines 100 m breiten umgebenden Waldstreifens.
Kliff und Laubwaldfläche am Zickerschen Höft.
Die restlichen Gebiete unterliegen als Pflege- und Entwicklungszonen einem weniger starken Schutz. Internet: www.biosphaerenreservat-suedostruegen.de
KATHARINA DEGRASSI
