Statt Tauziehen: alle an einem Strang
11. Oktober 2011
Biosphärenreservat Südost-Rügen will Europäischer Charta Park für nachhaltigen Tourismus in Schutzgebieten werden und hat mit allen Partnern ein neues Leitbild erarbeitet. Bis Jahresende soll der Antrag gestellt sein.
Sellin (OZ) - Der Müritz-Nationalpark hat gestern das Zertifikat der Europäischen Charta erhalten. Auch das Biosphärenreservat Südost-Rügen bewirbt sich um die Auszeichnung zum Europäischen Charta Park für nachhaltigen Tourismus. Die Europäische Charta für nachhaltigen Tourismus in Schutzgebieten der Organisation Europarc Federation ist ein praktisches Managementinstrument, mit dessen Hilfe Schutzgebiete in Europa touristische Aktivitäten im Sinne einer nachhaltigen Entwicklung konzipieren und umsetzen können.
In Europa sind gegenwärtig 89 Großschutzgebiete nach der Europäischen Charta zertifiziert worden, vier davon in Deutschland. Im Rahmen des Projektes „Parks & Benefits, bei dem das Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz M-V die Federführung übernommen hat, wurde nach dem Dovrefjell Nationalpark in Norwegen als zweiter nun der Nationalpark Müritz als Charta Park ausgezeichnet. Die Übergabe fand anlässlich des Abschlussmeetings der Projektpartner gestern im Cliff-Hotel Rügen statt.
„Parks & Benefits“ möchte die nachhaltige regionale Entwicklung in acht großen Gebieten in sechs Ländern an der Ostsee sicherstellen. Hauptthema des Projekts wird ist Übertragung und die Umsetzung der Europäischen Charta für nachhaltigen Tourismus in geschützten Gebieten. Am „Parks & Benefits“ beteiligen sich 18 Projektpartner. Das Amt für das Biosphärenreservat Südost-Rügen ist dabei zusammen mit dem Nationalparkamt Müritz, dem Regionalen Planungsverband Mecklenburgische Seenplatte und der Universität Greifswald aus Mecklenburg-Vorpommern vertreten. Weitere Partner kommen aus Dänemark, Litauen, Lettland, Estland und Norwegen. Das dreijährige Projekt ist ein wichtiger Beitrag im Rahmen der „Baltic Sea Region Strategy“. Es dient der Stärkung der integrierten Regionalentwicklung, insbesondere des nachhaltigen Tourismus in Regionen mit Großschutzgebieten rund um die Ostsee vom Skagerrak bis zum Finnischen Meerbusen. Das Projektbudget umfasst bei einer Laufzeit von drei Jahren insgesamt fast 2,7 Millionen Euro. Wissenschaftlich begleitet wurde das „Parks & Benefits“ Projekt von den Universitäten Greifswald und Roskilde (Dänemark).
„Sieben weitere Partner sind bereits in der Warteschleife Charta Park zu werden. Das Biosphärenreservat Südost-Rügen ist dabei das einzige in MV“, informiert Olaf Ostermann vom Umweltministerium .
Die Entwicklung eines neuen Leitbildes für das Reservat, mit dem sich das Rügener Schutzgebiet bewirbt, war in den zurückliegenden Monaten ein Stück harte Arbeit. Schließlich mussten die alten Grabenkämpfe und Vorurteile aus dem Weg geräumt werden. In der Vergangenheit war das Verhältnis von Biosphärenreservatsverwaltung und Bürgermeistern der betroffenen Gemeinden arg missgestimmt. Die Neugründung eines Biosphärenreservatsbeirates und die Bildung von drei thematischen Arbeitsgruppen trugen dazu bei, dass die Akzeptanz langsam wächst. Das belegt eine aktuelle Studie der Uni Greifswald, bei der die Bevölkerung befragt wurde. In den Arbeitsgruppen „Nachhaltiger Tourismus“, „Kultur trifft Natur“ und „Nachhaltige Mobilität“ arbeiten nicht nur Vertreter der beteiligten Gemeinden, sondern auch Unternehmer und Privatpersonen zusammen. „Wir sind auf einem guten Weg“, denkt Stefan Woidig vom Amt für das Biosphärenreservat, dass bis Ende 2011 der Antrag gestellt werden kann.
„Parks & Benefits“
Das Interreg VI B Projekt „Parks & Benefits“ ist ein Netzwerk von großen Schutzgebieten, regionalen Behörden, Verbänden des Natur- und Umweltschutzes bzw. des umweltfreundlichen Tourismus und akademischen Institutionen. Das gemeinsame Anliegen ist, die wirtschaftlichen, ökologischen und sozialen Vorteile von Großschutzgebieten insbesondere durch nachhaltigen Tourismus, für die beteiligten Parks und ihre regionalen Akteure, zu erschließen.
