Signalmast: Historie wieder erlebbar
Der Göhrener steht als letzter von einst 73 Sturmsignalmasten an der Ostseeküste. Nach seiner Sanierung dient er jetzt als Infostelle.
11. Juli 2009
Von GERIT HEROLD
Göhren. Bürgermeisterin Carola Koos hatte gestern das passende Wetter zum feierlichen Anlass bestellt. Am Göhrener Nordperd wurde nach seiner Sanierung der Sturmsignalmast offiziell wiedereingeweiht. Mit Gesang des Shantychores „Having" aus Baabe wurden die Signalkegel hochgezogen.
Damit wurde das letzte von einst 73 an der gesamten Ostseeküste zu findende Sturmwarnsignal restauriert und als Informationsstelle der Öffentlichkeit wieder nutzbar gemacht. Zu verdanken ist dies neben zahlreichen Helfern dem Dreiergespann Gemeinde Göhren, Amt für das Biosphärenreservat Südost-Rügen und Mönchguter Museen.
Bereits in den 90er Jahren gab es in der Biosphärenreservatsverwaltung die Idee für dieses Vorhaben. Vor allem Mitarbeiter Axel Müller hatte hartnäckig für das Projekt gekämpft, erinnerte Sabine Schlender, kommissarische Leiterin der Behörde, an die Anfänge. Allein das Geld fehlte. Andere Schwerpunkte bestimmten damals Göhrens Gemeindekasse. Durch die Förderung im Rahmen der integrierten ländlichen Entwicklung des Landes sowie durch das EU-Förderprogramm LEADER plus zur Entwicklung ländlicher Räume konnte das Gemein-schaftsprojekt nun realisiert werden. 160 000 Euro sind in die Sanierung des alten Seezeichens geflossen, das seit dem Ende des 19. Jahrhunderts auf dem höchsten Punkt am Göhrener Nordperd steht.
Den 24 Meter hohen Stahlmast samt acht Meter breiter Rahe hatte die Sassnitzer REAN Firma erneuert. Der Mast erhielt zudem ein neues Fundament. Die in den Mönchguter Museen aufbewahrten alten, aus Weide geflochtenen Signalbälle dienten als Vorlage für die neuen Bälle beziehungsweise Kegel. Sie wurden von einem Korbflechter nachgearbeitet. Demnächst werden sie - wie es früher üblich war -eine schwarze Farbe erhalten.
„Auch wenn der Sturmsignalmast keine nautische Bedeutung mehr hat, die Seefahrer freuen sich darüber", weiß Schiffbauer und Mu-seumsfördervereinsmitglied Wolfgang Husmann. Diese Seezeichen bestimmten das Landschaftsbild, wo die Küstenfischerei zu Hause war, bevor es die elektronische Nachrichtenübermittlung gab. Sie waren die einzigen Zeichen, die das Auslaufen der Schiffe bestimmten, bückte Norbert Kahlfuß, Vorsitzen der des Landesverbandes der Kutter- und Küstenfischer MV, zurück. Heute würde dies vorrangig Brüssel tun mit seinen Fangquoten und Zwangsstillegungen, hielt er mit Kritik zur aktuellen Politik nicht hinterm Berg.
Der Standort des Signalmastes nahe des Max-Dreyer-Hauses wurde gleichzeitig als Ausflugspunkt am Wanderweg hergerichtet. An drei Infotafeln können sich Wanderer über die Geschichte und die Arbeit des Sturmsignalmastes, das Sturmsignalwesen an der deutschen Nord- und Ostseeküste, die Lotsenstation, die Fischerei und das Lebensrettungswesen in Göhren sowie über das Naturschutzgebiet Nordperd und über das Ostseebad selbst informieren. In kaum einem anderen Ort sei Geschichte so erlebbar wie in Göhren, hob Landrätin Kerstin Kassner hervor.
