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Qualitätssiegel für Rügener Robbentouren

24. August 2010

Lauterbach (OZ) - Auf Rügen werden die Kegelrobben wieder heimisch — und avancieren mehr und mehr zum Touristenmagneten. Mit dem Schiff können Urlauber im Greifswalder Bodden zu einer Robbenbank fahren und die Tiere beobachten. Doch die sind streng geschützt. Deshalb haben das Umweltministerium, die Reederei „Weiße Flotte“ und das Bundesamt für Naturschutz (BfN) gestern an Bord des Motorschiffes „Sundevit“ in Lauterbach eine Vereinbarung geschlossen — und strenge Regeln für das „Robben-Watching“ festgelegt.

„Die Vereinbarung ist ein gutes Beispiel dafür, dass Naturschutz und Tourismus sich nicht konträr gegenüberstehen müssen. Durch Kooperation können die Interessen beider Seiten unter einen Hut gebracht werden“, lobte Dr. Karl Otto Kreer, Staatssektretär im Umweltministerium, während der Ausfahrt zur Robbenbank. Als erste Reederei in MV bietet sie die Weiße Flotte seit Mai immer montags ab Lauterbach an. „Natur- und Artenschutz waren uns von Anfang an wichtig“, betonte der Stralsunder Reederei-Chef Jörg Lettau. Deshalb übte das Unternehmen sofort den Schulterschluss mit der Internationalen Naturschutzakademie auf der Insel Vilm (INA) sowie dem Biosphärenreservat Südost-Rügen.

Auf welcher Route Schiffe die Robbenbank ansteuern müssen und wie nah sie dieser kommen dürfen, ist in der Vereinbarung festgeschrieben, die Anzahl der Fahrten begrenzt. Die sollen in Zukunft auch im Dienst der Wissenschaft stehen. Die Passagiere werden aktiv in das Monitoring einbezogen. Beim Umrunden der Robbenbank zählen sie die Tiere und erfassen sie. „Wir werten diese Daten aus“, sagt Meeresbiologe Henning von Nordheim, der an der INA auf der Insel Vilm arbeitet. Deren Wissenschaftler fahren im Wechsel mit Mitarbeitern der Biosphären-Verwaltung bereits seit 2005 zur Robbenbank, erfassen den Bestand. Das, so von Nordheim, bedarf Kontinuität. Deshalb seien die touristischen Ausflugsfahrten für die Wissenschaft auch so wichtig. „Mit der Vertragsunterzeichnung haben diese Fahrten heute ein Qualitätssiegel bekommen.“ An das müssen sich auch anderer Reedereien halten, so sie zur Robbenschau aufbrechen.

Die „Weiße Flotte“ unternahm gestern die 19. Fahrt zu den Tieren, die im 19. und 20. Jahrhundert an der Ostseeküste ausgerottet wurden. Das Robben-Watching wird gut angenommen. Laut Reederei sind stets 80 bis 120 Gäste an Bord der „Sundevit“. Zwischen zwei bis neun Tieren wurden bislang auf den Touren gesichtet. Gestern lugte nur eine Robbe kurz aus dem Wasser. „Ein wunderbares Erlebnis war es trotzdem“, meint Celine Groß aus Bayern.

UDO BURWITZ

OZ-Bild

Foto: Udo Burwitz



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