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Neues Leitbild für Biosphärenreservat Südost-Rügen

3. November 2010

Strategien zur Umsetzung eines nachhaltigen Tourismus diskutiert

Von Robby Günther

Ostseebad Baabe. Die Zeit drängt, das Ziel ist klar! Das künftige Leitbild des Biosphärenreservates Südost-Rügen war in der letzte Woche Inhalt eines Forums im „Haus des Gastes“, an dem rund 30 touristische Leistungsträger, Unternehmer und politische Verantwortungsträger teilnahmen.

Mit der Erarbeitung des künftigen Leitbildes ist Prof. Dr. Mathias Feige mit seinem Team von der Berliner dwif consulting GmbH beauftragt worden. Anhand von Ideen und Vorstellungen einer ersten Diskussionsrunde hatte er am zurückliegenden Mittwoch Eckpunkte des Leitbildes und Strategien zu dessen praktischer Umsetzung präsentiert. Das Amt für das Biosphärenreservat Südost-Rügen strebt eine Anerkennung als Charta Park für nachhaltigen Tourismus an, wie Amtsleiterin Sabine Schlender die Anwesenden nochmals erinnerte. Der Tourismus- und Konzeptexperte Feige stellte das Leitbild in drei Unterpunkten vor: Unter dem Punkt 1) „Unser Selbstverständnis: Wer sind wir?“ präsentierte er eine Bestandsaufnahme mit dem „KnowHow“, das in der Biosphäre vorhanden ist. Die Orte, abwechslungsreiche Landschaften, Spuren einer langen Siedlungsgeschichte, gewachsene Fischereitraditionen, prägende Landschaften und schließlich die beliebte Tourismusregion im Südosten der Insel Rügen. Die Bestandsaufnahme passierte mit kleinen Ergänzungen das Votum der Anwesenden.

Spannender wurde es hingegen unter Punkt 2) „Herausforderungen für die Zukunft: Was auf uns zukommt“. Fast einstimmig waren sich die Anwesenden darin, dass besonders die Themen Verkehr, Bettenkapazitäten und finanzielle Mittel künftig im Fokus der Entwicklungen stehen werden.

„Quantität kann die Qualität mindern“, mahnte der Lancken-Granitzer Peter Pellegrin. Was kann die Region noch an Kapazitäten aufnehmen? Wie werden künftig Verkehrswege organisiert, wie die vorhandenen öffentlichen Verkehrsmittel noch besser miteinander verknüpft? Keine neuen Anregungen und Gedanken. Aber: Der Monsterstau im Sommer nach dem schweren Busunglück sollte nun endlich Anlass genug sein, um über den Verkehr ergebnisorientiert zu debattieren. „Die Staus nehmen zu, die Erfahrungen in diesem Jahr zeigen uns das“, so Frieder Jelen aus Middelhagen.

Umstritten im Zusammenhang mit dem Leitbild ist das Wort „Modellregion“. Jörg Lettau von der Weißen Flotte gab zu bedenken, dass das Wort „Modellregion“ nach seiner Meinung „verbrannt“ ist in der öffentlichen Diskussion.

Wenn die Interessenten auf den Punkt 3) „Leitziele und Leitlinien für eine erfolgreiche Entwicklung: Wohin wir wollen“ schauen, dann sollten sich mehr Einwohner, Unternehmer und Leistungsträger in diesen Prozess der öffentlichen Debatte einbringen. Denn in diesem Punkt wird über konkrete Ziele für die Zukunft gesprochen. Dazu sind nach dem Forum auch Arbeitsgruppen gebildet worden, die perspektivisch weiter an der Umsetzung des Leitbildes arbeiten sollen. Was ist nun formuliert, als Entwicklung? Die Experten der dwif sehen an erster Stelle eine gemeinsame Vermarktung, als eine Urlaubsregion mit einer Tourismusorganisation. Die Tourismusgenossenschaft lässt grüßen.

Die Anbieter vor Ort sollen die Alleinstellung der regionalen Besonderheiten für den Gast stärker herausarbeiten und für den Gast erlebbar machen. Hierzu gehört auch das Biosphärenreservat als feste Größe der Region. Es soll zu einem verbindenden Element und wichtigen Partner vor Ort werden. Neben den größeren Ostseebädern müssen auch die kleinen Gemeinden mit einem ruhigen Tourismus ihren Platz finden. Die Wettbewerbsfähigkeit soll durch eine stetige Qualitätsverbesserung und noch stärkere Serviceorientierung ausgebaut werden. Die diesjährigen Zahlen bei Übernachtungen und Ankünften lassen den Schluss zu, dass die Zeit des ständigen Wachstums vorbei ist. Auch hier müssen die Akteure darauf achten, dass in den letzten Jahren zahlreiche Kapazitäten in der Beherbergung hinzugekommen sind. Und auch noch eine Reihe von Projekten aktuell umgesetzt werden bzw. noch Pläne dieser Art in der Schublade liegen. Der Konkurrenzkampf wird deutlich zunehmen.

Zusätzlich müssen die Handelnden vor Ort eine Stärkung ihres Umweltbewusstseins als Aufgabe im Wettbewerb begreifen. „Wir müssen uns mit den Besten messen“, lautete das Votum zu diesem Punkt. Klima- und Umweltschutz müssen zu einer Selbstverständlichkeit werden, ist in den Aufgaben definiert. Nicht vergessen werden sollen bei all diesen Dingen die Einwohner, war man sich abschließend einig.



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