Insula Rugia im Jubiläumsjahr gegen Göhrener Hafenprojekt
12.7.2010
20 Jahre Insula Rugia waren für die Mitglieder des Verbandes Anlass, eine Bilanz zu ziehen und in die Zukunft zu blicken.
Bergen (OZ) - Rügen ist ein hervorragendes Obstanbaugebiet: Kein Ort ist weniger als acht Kilometer vom Wasser entfernt, die Ostsee dient als Wärmepuffer und die Sonne verwöhnt Inselbewohner. Das wissen auch die „Steinhäger“ zu schätzen, um 1888 in Hagen auf Jasmund gepflanzte Kirschbäume, die bei minus 24,5 Grad Celsius im Winter 1928/29 der Kälte trotzten — im Binnenland herrschten damals Temperaturen bis minus 31 Grad Celsius. „Damals fielen dem Frost im Norden 13 Prozent der Apfel-, 11 Prozent der Birnen- und 42 Prozent der Süßkirschenbäume zum Opfer“, weiß Diplomgärtner Dr. Lutz Grope. Der Berliner gehört zu den Autoren des druckfrischen Rügen-Jahrbuches, Jahrgang 2011, herausgegeben vom Insula Rugia e.V. Einen Abend vor der Jahreshauptversammlung trafen sich Verbandsmitglieder und Interessierte zur Präsentation des Heftes im Bergener Stadtmuseum.
„Die erste Ausgabe erschien 1993. Sie nahm die Tradition des 1908 erstmals erschienenen Rügener Heimatkalenders auf und wurde bis 2002 als Rugia Journal, seither als Rugia Rügen-Jahrbuch herausgegeben“, sagte Verbandsvorsitzender Dr. Hans Dieter Knapp. Angelehnt ist das 126-Seiten starke Werk an das 200-jährige Jubiläum der Ortsgründung durch Wilhelm Malte Fürst zu Putbus.
„Das Heft ist von Anfang bis Ende ein Rügen-Erzeugnis“, konnte Knapp berichten, und obwohl die Auflagen „weggehen wie warme Semmel“ und Autoren auf ihr Honorar verzichten, zahlt der Verband bei diesem Projekt drauf. „Wir sind an der Grenze unserer Möglichkeiten gestoßen und müssen uns was einfallen lassen“, mahnte der Kasnevitzer. Das habe ein Kassensturz durch den Schatzmeister ergeben.
Willkommen sind nicht nur Geldgeber, sondern auch Autoren, die sich mit Gegenwartsthemen auseinandersetzen, fügte Dr. Christine Petrick hinzu. Zusammen mit Renate Schaarschuh hatte sie den redaktionellen Teil unter ihren Fittichen. Derzeit lebe das Vereinsleben von aktiven Rentnern, meinen beide.
Einer von ihnen ist Frieder Jelen, Theologe und Landrat i.R.. Der Middelhagener zog mit Dr. Peter Meißner nicht nur ein Resümee über die Entwicklung des Verbandes auf der Jahreshauptversammlung am Sonnabend. Zum einen sprachen sie sich gegen das Hafenprojekt am Göhrener Südstrand aus. Zum anderen begrüßt Jelen die derzeit diskutierte Fremdenverkehrsabgabe auf Rügen. Die solle dafür genutzt werden, um Besuchern die kostenlose Benutzung von Bussen, Bahnen und Schiffen zu ermöglichen. Beide Anträge wurden einstimmig beschlossen. Ein weiteres Projekt, für das sich die 120 Verbandsmitglieder stark machen möchten, ist der Ausbau des Caspar-David-Friedrich-Weges im Biosphärenreservat Südost-Rügen.
Info: Erhältlich ist das Rugia Rügen-Jahrbuchbei Rügendruck in Putbus und den Buchhandlungen Rügens, Greifswalds und Stralsunds.
JANET LINDEMANN
