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INSULA RUGIA e.V. fordert: Rügen soll ein Biosphärenreservat werden

 

25. März 2009

Von Robby Günther

Bergen auf Rügen. „Die gesamte Insel Rügen sollte ein Biosphärenreservat sein“, fordert Hans Dieter Knapp, Vorsitzender des Vereins INSULA RUGIA e.V.! Dieser hatte am Montag zu einer öffentlichen Versammlung eingeladen, um in der Debatte über die geplante Erweiterung des Biosphärenreservates Südost-Rügen eine neue Runde einzuläuten. Rund 30 interessierte Rüganer folgten der Einladung. Sie konnten sich während des Vortrags von Dr. Eberhard Henne, Vorstandsvorsitzender des EUROPARC e.V., davon überzeugen, welche Chancen ein Biosphärenreservat berge und mit sich bringe – wenn die Akteure vor Ort sich dazu bekennen und zusammenarbeiten würden.

Dr. Henne machte dies am Beispiel des Biosphärenreservates Schorfheide/Chorin fest, dessen langjähriger Leiter er war. Hier sind in den letzten 20 Jahren die Akteure vor Ort aufeinander zugegangen und haben parallel zum Naturschutz Wirtschaftskreisläufe geschaffen. „Nicht die Beherrschung der Natur, sondern die Neubestimmung des Verhältnisses des Menschen zur Natur ist die Bestimmung eines Biosphärenreservates“, schrieb der ehemalige brandenburgische Umweltminister den Anwesenden ins Stammbuch. Unter ihnen Befürworter und Kritiker der seit August letzten Jahres öffentlich debattierten Erweiterung.

Sabine Schlender, amtierende Leiterin des Amtes für das Biosphärenreservat Südost-Rügen, stellte nach dem Einführungsvortrag einen aktuellen Sachstandsbericht ihres Amtes zur Erweiterung vor: So war sie gemeinsam mit ihren verantwortlichen Mitarbeiterin in allen betreffenden Gemeindevertretungen und hat die Ideen einer Erweiterung präsentiert. So habe sich die Stadtvertretung Putbus dafür entschieden, dem Biosphärenreservat komplett beizutreten. Die Stadtvertretung Garz indes hat sich dagegen ausgesprochen. In der Gemeinde Binz wird für Anfang April eine Abstimmung erwartet, ob sie mit den Gemeindeflächen, die unlängst an die Deutsche Bundesstiftung Umwelt übertragen wurden (siehe Ausgabe 18. Februar), beitrete. Auch in der Stadt Sassnitz laufen diesbezüglich noch Gespräche. Die Gemeinde Lietzow hat sich bisher nicht zum Thema geäußert, die Gemeinde Ralswiek hat sich gegen einen Beitritt ausgesprochen. Die Gemeinde Buschvitz wird nach ihren Worten mit den Gebieten Halbinsel Pulitz und Ossen beitreten, die Stadt Bergen auf Rügen überlegt derzeit ebenfalls noch, wie ein Beitritt aussehen könnte, so Sabine Schlender.

Mit den bisher zugesagten Flächen könnte die so genannte Kernzone des Biosphärenreservates zumindest auf die geforderten drei Prozent der Gesamtfläche erweitert werden, so die kommissarische Leiterin des Amtes weiter. Dies ist einer der Kritikpunkte der Evaluierung, die Anfang der 2000er-Jahre stattgefunden hat. Hierbei wurden die Kriterien seitens des UNESCO überprüft, ob das Biosphärenreservat Südost-Rügen den Status UNESCO-Biosphärenreservat noch tragen darf. Die nächste Evaluierung findet im Jahr 2013 statt. Bis dahin möchte Sabine Schlender besonders den stark umstrittenen Rahmenplan komplett erstellt haben. Umstritten deshalb, weil er bis jetzt nicht existiert und es keine Grundlage gibt, wie das Biosphärenreservat zu entwickeln ist. Eine Kritik der im Biosphärenreservat liegenden Gemeinden, die darin gipfelte, dass die Kommunen im Amt Mönchgut-Granitz im Jahr 2004 ihr eigenes Rahmenkonzept verabschiedet hatten.

In der anschließenden Diskussion bemängelten mehrere Redner, dass es aktuell eine Art „WildWest-Umgang mit der Natur auf Rügen gebe, die an die 1990er-Jahre erinnert“. So wurden die massiven Abholzungen in Prora und auch begonnene Arbeiten im Bergener Ortsteil Streu genannt. Boris Hruschka konnte in diesem Zusammenhang eine Art von „resignierter Wut“ feststellen, wenn Einwohner auf den Umgang mit der Natur blickten. Diese „resignierte Wut“ konnte der Lohmer Hotelier Matthias Ogilvie auch für Unternehmer und Investoren feststellen, die seit Jahrzehnten für Projekte auf der Insel eintreten und die „behindert und verhindert“ werden.

Dr. Knapp erinnerte daran, dass bereits bei der Erarbeitung des Regionalen Entwicklungskonzeptes (REK) für Rügen die Grundlagen gelegt worden seien, damit alle Inselbewohner auf Rügen gemeinsam zusammenarbeiten und auch leben können. Es muss jetzt endlich eine Umsetzung dieses Konzeptes erfolgen. Boris Hruschka und Matthias Ogilvie waren sich einig, dass man immer über Wirtschaft spreche, als Lebensgrundlage der Rüganer. Dass dabei Naturschutz gebraucht und umgesetzt werden muss, steht außer Frage. Hruschka forderte, dass „endlich das Kriegsbeil zu begraben sei“. Dem stimmte Ogilvie zu und lud zu einer nächsten gemeinsamen Veranstaltung mit Rede und Gegenrede der Befürworter und Kritiker ein.

Dass das Kriegsbeil – zumindest im Amtsbereich Mönchgut-Granitz – begraben sei, unterstrich Sabine Schlender abschließend. In einer unlängst stattgefundenen Bürgermeisterberatung dort haben diese gegenüber ihrem Amt erklärt, dass ein Neuanfang gemacht werden solle. Dr. Knapp sieht übrigens ein Insel-Biosphärenreservat als eigenständige Entwicklungsregion eines möglichen neuen Großkreises als überlegenswerte Alternative an. . .