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Fledermäuse besetzen ehemalige Tontaubenschießanlage

14. November 2015

Ranger des Amtes für das Biosphärenreservat Südost-Rügen richteten den streng geschützen Arten ein frostfreies und feuchtes Winterquartier ein

Binz. Kleinere Artgenossen fliegen derzeit noch umher, schwärmen zu ihren Nachtflügen aus. Die größeren hingegen suchen sich jetzt ein feines Plätzchen für die Winterruhe.

„Das ist gar nicht so einfach“, weiß Fledermausexperte Frank Fiedrich. „Es gibt Baum bewohnende Fledermäuse und solche, die den Stein bevorzugen, also Felsen- und Höhlenquartiere nutzen. Die haben wir auf der Insel aber nicht und daher suchen sich die streng geschützten Tiere gern menschliche Behausungen aus, also zum Beispiel alte Wein-, Kartoffel- und Eiskeller.“ Durch Sanierungen und Modernisierungen und damit zusammenhängenden Wärmedämmungen gingen aber auch die Ritzen und Spalten in den Altbauten verloren und damit die Möglichkeit für die Fledermäuse geeignete Winterquartiere zu finden. In Städten wurde so auch schon 80 Prozent einer Population einfach weggebaut.

Auf Rügen werden daher die Ranger des Amtes für das Biosphärenreservat Südost-Rügen aktiv. Inselweit haben sie schon für Fransen- und Wasserfledermaus, Braunes Langohr und den Großen Abendsegler bei Bauunternehmen alte DDR-Hohlblocksteine und andere Reste erbeten und gemauert — etwas krum und schief mit eben möglichst vielen Spalten. „Fledermäuse sind sehr soziale Tiere. Sie sitzen in Clustern, oft fünf Tiere zusammen und wärmen sich gegenseitig. Sie fahren ihren Stoffwechsel aktiv herunter. Atmung und Puls sind auf ein Minimum reduziert. Ihre Temperatur ist etwa immer zwei Grad höher als die der Umgebung. Sie brauchen es frost- und zugfrei und vor allem feucht damit sie beim Atmen Flüssigkeit aufnehmen können“, erzählt Fiedrich während er im neuen Winterquartier mit der Taschenlampe in den Ritzen der Wand- und Deckensteine nach dem ersten Bewohner sucht. Kollege Falko Bindernagel hat ihn entdeckt: Eine Wasserfledermaus hat es sich in dem frisch gemauerten Winterquartier, die alte Tontaubenschießanlage am Binzer Ortsrand auf einem Gelände des Landschaftspflegeverbandes, schon einmal eingerichtet. „Jetzt ist die Schwärmzeit. Wenn ein Exemplar das neue Quartier gefunden hat, dann kommuniziert sie das und andere folgen.“

Wurde das Quartier dann einmal als gut befunden, steuern die Flugkünstler es immer wieder an und zeigen es auch den Jungtieren.

Die beiden Ranger bleiben nicht lange. Das Betreten sei außer zu Monitoringzwecken strengstens verboten. „Wenn Fledermäuse gestört werden, dann wachen sie auf und pumpen sich innerhalb von 20 Minuten wieder hoch. Dann ist es aber mitten im Winter und sie finden dann keine Inseketen mehr, um sich für die erneute Ruhephase etwas anzufressen“, sagt Frank Fiedrich. Daher sei Vandalismus, vor allem in alten Bunkeranlagen ein großes Problem. Daher hoffen die Männer vom Amt mit Sitz in Putbus, dass die kleine gelbe Eule mit dem Hinweis auf das Fledermausquartier Störenfriede fernhält. „Wir haben einfach die offene Seite des alten Schießstands aus den 50er Jahren zugemauert. Da ist nichts drin — außer hoffentlich bald viele Fledermäuse.“

Fledermäuse: Insektenfresser mit Echoortung

Als fliegende Säuger, die die Nacht zum Jagen nutzen, üben Fledermäuse eine große Faszination auf uns Menschen aus. Ausgestattet mit einem hochspezialisierten Ortungssystem und einem perfekt an ihren Lebensstil angepassten Körperbau, besetzen sie eine besondere ökologische Nische in unserem Ökosystem. Unsere einheimischen Fledermäuse sind vorwiegend Insektenfresser, aber auch Spinnen stehen auf dem Speiseplan. In Europa sind Fledermäuse Winterschläfer und damit abhängig von Unterschlupfmöglichkeiten, wo sie gleichmäßige Witterungsbedingungen vorfinden und gleichzeitig vor ihren Feinden geschützt sind. Bei Fledermäusen muss zwischen Sommer- und Winterquartieren unterschieden werden. In der warmen Jahreshälfte bevorzugen die kleinen Flieger trockene, warme und zugluftfreie Verstecke. Quartiere finden sich neben der alten Tontaubenschießanlage in Binz z. B. auch auf der Insel Pulitz, in einem Bunker in Sellin und in Putbus.

Steffi Besch

Fledermaeuse-Tontaubenschiessanlage_S_Besch

Fledermausexperte Frank Fiedrich untersucht die Deckensteine nach neuen Bewohnern.

Foto: Steffi Besch



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