Erlebnis Streuobstwiese im Biosphärenreservat Südost-Rügen
30. August 2010
35 Schüler der Regionalen Schule Garz haben sich in der vergangenen Woche mit dem Thema „Streuobstwiesen“ beschäftigt.
In Muglitz, in der Nähe von Putbus, hat die Verwaltung des Biosphärenreservates Südost-Rügen Mitte der neunziger Jahre in einem gemeinsamen Projekt mit der Stadt Putbus eine Streuobstwiese anlegen lassen. Hier wurden vor allem verschiedene hochstämmige Apfel-, Birnen- und Pflaumensorten gepflanzt.
Die Streuobstwiesen stellen eine traditionelle Form des Obstbaus dar. Hier stehen hochstämmige Obstbäume meist unterschiedlichen Alters und unterschiedlicher Arten und Sorten. Streuobstwiesen sind charakterisiert durch eine Bewirtschaftung ohne Einsatz synthetischer Pflanzenschutzmittel. Traditionell üblich ist die landwirtschaftliche Mehrfachnutzung der Flächen: Sie dienen sowohl der Obsterzeugung als auch der Grünlandnutzung (Heugewinnung) oder als Viehweide.
Im 19. und in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts waren Streuobstwiesen in Deutschland weit verbreitet. Vor allem die Intensivierung der Landwirtschaft führte zu einem deutlichen Rückgang dieser inzwischen historischen Form der Landnutzung.
Heute gehören Streuobstwiesen zu den am stärksten gefährdeten Biotopen Mitteleuropas. Aus naturschutzfachlicher Sicht sind sie insbesondere durch ihre extensive Bewirtschaftung von Bedeutung. Sie bieten verschiedenen Vogel- und Insektenarten einen Lebensraum.
Innerhalb des Biosphärenreservates Südost-Rügen wurden inzwischen drei Streuobstwiesen angelegt, darunter die in Muglitz. Diese Streuobstwiesen werden von der verwaltung des Biosphärenreservates u. a. für Umweltbildungsveranstaltungen genutzt, um v. a. den Schülern der Region diese historische Landnutzungsform nahe zu bringen und die hohe Wertigkeit des Lebensraumes zu verdeutlichen.
Die Garzer Projektteilnehmer sollten aber auch selbst Hand anlegen. Zusammen mit Rangern des Biosphärenreservates haben sie das vor einigen Tagen gemähte Gras der Wiese auf eigens hergestellten Heureuthern aufgeschichtet und somit einen praktischen Beitrag zum Erhalt der Streuobstwiesen geleistet.

Franziska Sommer und Philip Kowalski (v. l.) beim Aufschichten des Heureuthers
