Ehrenamtliche: Immer mehr Bodendenkmale der Insel verschwinden
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7. Dezember 2011
Die Vorstellung neuer Grabungsergebnisse der vergangenen zwei Jahre an Großsteingräbern der Insel Rügen stieß bei den 50 Zuhörern auf großes Interesse.
Baabe(OZ) - Der Vortrag von Anja Behrens von der Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts in Frankfurt/Main im Baaber Haus des Gastes hatte rund 50 Gäste angelockt. Interessiert folgte das Publikum den Ausführungen der Prähistorikerin, die die Grabungsergebnisse der letzten zwei Jahre an den Großsteingräbern Rügens vorstellte. Im Rahmen des Schwerpunktprogramms 1400 „Frühe Monumentalität und soziale Differenzierung, Zur Entstehung und Entwicklung neolithischer Großbauten und erster komplexer Gesellschaften im nördlichen Mitteleuropa“
wurde die Megalithlandschaft Südost-Rügen in einem Teilprojekt erforscht.
Zur jungsteinzeitlichen Trichterbecherkultur (um 4000 v. Chr.) in Nordeuropa fanden seit Sommer 2010 Grabungen an den Großsteingräbern von Burtevitz und Baabe statt. Schwerpunkt der Untersuchungen waren die Architektur und die Datierung der Anlagen. Daneben wurden auch naturräumliche Faktoren, wie Böden, Bezug zu Gewässern und Pollen berücksichtigt.
„Forschungsprojekte sind auf Rügen leider nicht so häufig“, erklärte Grabungsleiterin Anja Behrens, die aus Rostock stammt. Dabei ist die Insel Rügen außerordentlich reich an archäologischen Fundplätzen. Zu den markantesten archäologischen Denkmälern zählen die Megalithgräber. Die von Friedrich von Hagenow angefertigte Karte der Insel Rügen von 1830 verzeichnet die Lage der 236 damals noch vorhandenen Großsteingräber. „Heute sind noch 54 erhalten, die sich auf Südost-Rügen konzentrieren“, so Behrens.
Eine große Dichte gibt es rund um Lancken-Granitz. 19 Großsteingräber, allerdings sind nicht alle erhalten. Das Umfeld der sieben heute noch erhaltenen Gräber wurde geophysikalisch prospektiert, um die zerstörten Anlagen ausfindig zu machen.
Im Mittelpunkt der Forschungen stand aber vor allem die Bauweise der Grabanlagen in Burtevitz (3500 bis 3100 v. Chr.) und ob sie weitergenutzt wurden. Acht Bauphasen konnten erfasst werden und nachträgliche Vermauerungen lassen auf Nachbestattungen schließen, so Behrens. Im Unterschied zum Festland sei für Rügens Großsteingräber der Windfang am Eingang typisch. Ein möglicher Hinweis, dass es Kontakte zu den dänischen Inseln gab, wo diese Bauweise auch praktiziert wurde, so Behrens. Dies sei aber noch eine „Forschungslücke“.
Fundstücke, wie Scherben von Trichterbecherschalen mit Winkelbandmustern, Bohrer-Kratzern und Klingen, befinden sich derzeit in Frankfurt/Main und werden anschließend im Landesamt für Bodendenkmalpflege aufbewahrt.
Dass immer mehr ur- und frühgeschichtliche Bodendenkmale von Rügens Landkarte verschwinden, kritisierten die ehrenamtlichen Bodendenkmalpfleger der Insel. Noch nie seien so viele Anlagen durch Agrarnutzung, Aufforstung oder die Einrichtung von Jägerhochständen zerstört worden, wie in den letzten 20 Jahren. Auch Anzeigen würden ohne Konsequenzen bleiben, ging die Kritik in Richtung Denkmalbehörde.
Gerit Herold

Grabungsleiterin Anja Behrens berichtet über die Ergebnisse der Untersuchungen an den Großsteingräbern.
Foto: St. Woidig
