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Die Haselmaus ist wieder zurück auf Rügen

31. März 2010

Die kleine Schwester des Siebenschläfers ist wieder auf der Insel gesichtet worden. Über Jahrzehnte hinweg war die Haselmaus auf Rügen und in Mecklenburg-Vorpommern verschwunden.

Blieschow (OZ) - „Wir haben hier eine Inselpopulation. Das ist etwas Besonderes, eine Sensation. Und das ist für Rügen eine große Verantwortung“, sagt Diplom-Biologe Sven Büchner. Die Rede ist von einem daumengroßen Tierchen, das in vielen Gebieten Europas bereits verschwunden ist: Die Haselmaus.

Haselmaus-Spezialist Büchner hat die ganze Insel untersucht und ist an mehreren Stellen fündig geworden. Beispielsweise bei Prora, im Raum Putbus, Garz, Sehlen sowie im Nationalpark Jasmund. Seine Ergebnisse stellte er gestern im Granitzhaus Vertretern des Landesamtes für Umwelt, Naturschutz und Geologie (LUNG), des Amtes für das Biosphärenreservat Südost-Rügen, des Landkreises sowie zahlreichen ehrenamtlichen Naturschützern vor. „Die Haselmaus ist in der FFH-Richtlinie aufgeführt. Deshalb haben wir eine Monitoring-Verpflichtung. Damit wollen wir jetzt auf zwei Flächen im Land beginnen, am Schaalsee und auf Rügen“, erklärt Kristin Zscheile vom LUNG. Wo genau, wie und durch wen die Bestandsanalyse auf Rügen durchgeführt werden soll, darüber wurde gestern gemeinsam beraten.

„Die Haselmaus heißt Maus und ist gar keine Maus. Sie ist die kleine Schwester des Siebenschläfers“, sagt Sven Büchner über sein Lieblingstier. Die Haselmaus ist eine besondere Familie der Nagetiere, mit den echten Mäusen nur weitläufig verwandt. Sie ist eine richtige Pennratze. Von Oktober bis April macht sie Winterschlaf, weil sie keine Nahrung findet. Sie rollt sich ein und legt ihren buschigen Schwanz über ihr Gesicht. Sie kann ihre Körpertemperatur bis auf Null Grad absenken. Viel Schlaf — vielleicht das Rezept für ein langes Leben. Denn im Vergleich zu Mäusen, die nur bis zu zwei Jahre alt werden können, werden Haselmäuse mit bis zu sechs Jahren steinalt. Ein weiter Unterschied: Sie bekommen nur ein- bis zweimal Nachwuchs im Jahr mit durchschnittlich nur vier Jungen. Zur Victorianischen Zeit wurden die possierlichen Tierchen als Haustiere gehalten, bis sie der Goldhamster ablöste.„In MV war die Haselmaus verschollen. Seit den 60er Jahren wurde sie nicht mehr nachgewiesen. Mitte der 90er Jahre wurde sie wiedergefunden“, erklärt Sven Büchner, der sich seit 1995 intensiv mit der Haselmaus beschäftigt und schon für mehrere Bundesländer Monitorings konzipiert hat.

Die Haselmaus ist eine anspruchsvolle Tierart. So auch beim Fressen. Im Frühjahr stehen Pollen und Blüten auf dem Speiseplan, im Sommer Beeren und Früchte und im Herbst Nüsse, Bucheckern und Eicheln.

„Die Not im Wirtschaftswald ist sehr groß. Der Kampf um die Höhlen ist gewaltig“, nennt Sven Büchner einen Grund dafür, warum die kleinen Gesellen aus vielen Wäldern verschwunden sind. Viele Sträucher und artenreiche Waldränder sind lebensnotwendig.

Um den Höhlenmangel auszugleichen und den Tieren ein Wohnungsangebot zu machen, sollen Nistkästen aufgehängt werden. Die sind zudem eine gute Nachweismethode, denn die nachtaktiven Tiere, die in bis zu 30 Metern Höhe ihre kugelförmigen Nester bauen, sind kaum im Freiland zu beobachten. Zwei Mal im Jahr, im Juni und im September, soll die Zählung auf Rügen durchgeführt werden. Dann wird sich zeigen, ob die Haselmaus beim Kampf um ihr Zuhause auf Freunde setzen kann — wie in dem berühmten russischen Märchen von Samuil Marschak „Das Tierhäuschen“ .

GERIT HEROLD



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