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Auf Nussjagd, um die Haselmaus zu finden

oz

15. Oktober 2015

Kinder der Grundschule Putbus machten den Auftakt zu einem Naturschutz-Projekt auf Rügen

Putbus. Nach Spuren der seltenen Haselmaus suchten Kinder der Klassen 1a und 3 der Putbuser Grundschule „Boddenwind“. Gemeinsam mit dem Haselmausexperten und Buchautoren Sven Büchner, Projektleiterin Heike Grunewald vom Nabu, und Biosphären-Ranger Michael Kolberg streiften die Kinder durch den Gremminer Forst und wurden tatsächlich fündig: Vier von einer Haselmaus angenagte Nüsse fanden Märtha Böttcher (7) und ihre Mitschüler. „Das ist ein neuer Fundpunkt der Haselmaus auf Rügen. An dieser Stelle wurde vorher noch keine Haselmaus nachgewiesen“, sagte Heike Grunewald.

Für die Biologen ist der Fund eine kleine Sensation, denn der Nager galt jahrzehntelang als verschollen, weshalb er 1991 in die Rote Liste gefährdeter Arten aufgenommen wurde. Nach ersten Zufallsfunden auf Rügen erfolgten landesweit umfangreiche Kartierungen, welche die Haselmaus im Süden und Osten der Insel nachwiesen.

„Seit 2007 sind außerdem Haselmäuse in der Schaalseeregion bestätigt“, sagte Sven Büchner. Der Experte wurde vom Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie mit der Erforschung der landesweiten Vorkommen beauftragt und hatte erst kürzlich im Auftrag der Landeslehrstätte für Naturschutz und nachhaltige Entwicklung MV eine Weiterbildung für Mitarbeiter der Unteren Naturschutzbehörde und des Amts für das Biosphärenreservat im Naturerbe Zentrum Rügen durchgeführt.

Dass die Haselmaus gar keine Maus ist, sondern zusammen mit Sieben-, Garten- und Baumschläfer zur Familie der Bilche gehört, die den Hörnchen ähnelt, wie am buschige Schwanz erkennbar ist, wussten die Kinder schon vorher.

Seit Anfang vergangenen Jahres führen der Nabu Rügen und das Biosphärenreservatsamt Südost- Rügen das Umweltbildungsprojekt zur Haselmaus an der Freien Schule Dreschvitz und der Grundschule Putbus durch. „Die Haselmaus ist sehr klein, sehr scheu und meistens in der Nacht in dichten Sträuchern unterwegs, damit sie nicht auf den Boden muss“, erzählten die Kinder.

Deswegen sieht man sie auch fast nie und kann ihre Anwesenheit nur an den angenagten Haselnüssen erkennen, die sie nach der Mahlzeit zurücklässt. Derzeit schlagen sie sich tüchtig den Bauch voll, um ausreichend Fettpolster für den mehrmonatigen Winterschlaf anzulegen. Wenn morgens die ersten Spaziergänger auftauchen, liegen die possierlichen Tiere mit den großen Kulleraugen und den rosa Füßchen bereits wieder zusammengerollt im nächsten Tagesversteck, den Schwanz wie einen Schal um den Körper gewickelt.

Dass die kleinen Verwandten des Siebenschläfers gerade auf Rügen wiederentdeckt wurden, ist für Heike Grunewald ein gutes Zeichen. Die Haselmaus ist eine „Zeigerart“, wie Biologen das nennen und lebt nur in naturnahen, reich strukturierten Wäldern.

„Insofern sind die Kinder echte Forscher, denn mit ihrer Hilfe ergibt sich ein neues Verbreitungsbild der Haselmaus auf Rügen“, meinte die Biologin. „Wir erhoffen uns von dem Projekt natürlich auch, dass sich viele Nachahmer finden, die fleißig Haselnüsse sammeln und uns auf die Spur dieser kleinen Schlafmäuse bringen“, wirbt sie für breite Beteiligung auf der Insel. „Familien, Senioren, Kinder, Schulklassen, Kita- Gruppen oder eben Schulklassen, die Haselnüsse mit Fraßspuren finden, sollten sie unter Angabe von Ort und Zeit an die Nuss-Sammelstellen von Nabu oder Biosphärenreservatsamt senden.“

Dem Aufruf, angefressene Haselnüsse zu suchen, folgen europaweit tausende Kinder im Rahmen der Kampagne zur „Nussjagd“

• www.nussjagd.de

Die Haselmaus

  • 15 Gramm wiegt die Haselmaus im Sommer. Sie ist die kleinste Schläferart und wird nur etwa daumengroß.
  • 40 Gramm kann eine Haselmaus auf die Waage bringen, nachdem sie sich auf den Winterschlaf vorbereitet und ordentlich zugelegt hat.
  • 5 Jahre alt werden die kleinen Nager. Sie bekommen ein- oder zweimal im Jahr je drei bis sieben Junge.
  • Die Haselmaus ist als eine gefährdete Tierart durch Gesetze der Europäischen Union streng geschützt.

 Uwe Driest

Auf-Nussjagd_Sven Büchner

Haselmäuse schlafen gern und viel in ihrem gemütlichen Nest. Foto: Sven Büchner



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