Riesen-Bärenklau - neue Methode der Bestandsregulierung im Biosphärenreservat Südost-Rügen
18. Juli 2011
„Hier ist besondere Vorsicht geboten“ meint Gerd Schendel, der zusammen mit Uwe Krenkel die fast reifen Blütenstände des Riesen-Bärenklaus in der Nähe des Putbusser Parkes entfernt. „Die Berührung der Pflanze ohne entsprechende Schutzbekleidung kann zu gefährlichen Hautreaktionen führen“ so Schendel weiter. Die Ranger des Biosphärenreservates erproben hier eine besondere Methode der Bestandsregulierung ohne Einsatz von Herbiziden. Durch die Entfernung der Blütenstände kurz vor der Samenreife wird die Aussamung der Pflanzen verhindert, der Riesen-Bärenklau kommt nicht zur Fortpflanzung. Hierdurch soll einer weiteren Ausbreitung der Art entgegengewirkt werden.
Der Riesen-Bärenklau ist eine 2 bis 5 m hohe Staude mit 1 bis 3 Meter langen Blättern. Der tellerförmige Blütenstand kann bis zu 80 cm Durchmesser erreichen und besteht aus weißen bis rosafarbenen Blüten. Die reifen Früchte sind flach und haben vor allem am Rand aufwärtsgebogene Borsten. Die Fortpflanzung kann ausschließlich über Samen erfolgen.
Mitte des 19. Jahrhunderts wurde die aus dem Kaukasus stammende Art als Zierpflanze in Westeuropa eingeführt. Der weiten Verbreitung als Gartenpflanze folgte die Verwilderung, die ab der Mitte des 20. Jahrhunderts zu einer schnellen Zunahme der Fundorte führte.
Der Riesen-Bärenklau ist heute von Zentral-Russland bis Frankreich, von Skandinavien bis Ungarn in vielen europäischen Ländern eingebürgert. In Schweden kommt die Art sogar nördlich des Polarkreises vor, in den Alpen bis in 1850 m Meereshöhe. Auch in Nordamerika ist sie weit verbreitet.
Der Riesen-Bärenklau ist aus verschiedenen Gründen einer der prominentesten Neophyten: Sein hoher Wuchs und der Aufbau dichter Bestände verändern in auffälliger Weise das Landschaftsbild.
Die größten Sorgen bereitet seine phototoxische Wirkung, die ihn zu einer Gefahr für die menschliche Gesundheit macht. Die ganze Pflanze, besonders der Saft, enthält phototoxisch wirkende Furanocumarine, die als Verursacher der "bullösen Wiesendermatitis" gelten. Bei Berührung und Sonneneinstrahlung können sich nach 24-48 Stunden schwere Hautentzündungen mit starker Blasenbildung entwickeln. Bei jeder Arbeit in Bärenklau-Beständen ist deshalb vollständige Schutzkleidung zu tragen! Wenn Pflanzensaft auf die Haut gelangt, sofort mit reichlich Wasser spülen. Bei stärkeren Symptomen ist ein Arzt oder Krankenhaus aufzusuchen.
Die durch Ranger des Biosphärenreservates Südost-Rügen zunächst im Raum Putbus erprobte Methode der Bestandsregulierung der Riesen-Bärenklaubestände ohne Herbizideinsatz wird auf öffentlich zugängliche Bereiche konzentriert, an denen Menschen direkt mit den Pflanzen in Kontakt geraten können.
Bei Fragen zum Umgang mit dem Riesenbärenklau wenden Sie sich bitte unter Tel. 038303/885-0 an das Amt für das Biosphärenreservat Südost-Rügen.

Die Ranger Gerd Schendel und Uwe Krenkel entfernen die Blütenstände des Riesen-Bärenklaus im Putbusser Park
